Vom Orientexpress zum Unimog – Automobilgeschichte im Murgtal 27.11.2016 – 23.04. 2017

Ausstellung
27. November 2016

Seit mehr als 122 Jahren werden in Gaggenau Automobile produziert, was diesen Standort zum ältesten der Welt macht. Die spannende Geschichte dieser Produktion vom ersten Fahrzeug mit dem klingenden Namen „Orientexpress“ 1895 bis zur Übernahme der Herstellung des Unimog durch die Daimler-Benz AG Anfang der 1950er Jahre wird in der Ausstellung mit Hilfe von Fahrzeugen, Texten und Dokumenten lebendig.

Theodor Bergmann war der umtriebige, stets an Neuem interessierte Unternehmer, der ab 1894 in seinen gerade frisch gegründeten Industriewerken den Bau eines Motorfahrzeugs vorantrieb. Das war aber nur ein kleiner Teil der Produktpalette dieses eisenverarbeitenden Unternehmens, das wie ein bunter Gemischtwarenladen von Blechschildern über Verkaufsautomaten bis hin zu Luftpistolen alles Mögliche produzierte.

In dem aus Baden-Baden stammenden jungen Ingenieur Joseph Vollmer fand Bergmann einen kongenialen Konstrukteur, der mit dem „Orientexpress“ 1895 das erste Automobil im Murgtal baute – ein sechs PS starkes Vehikel mit horizontalem Einzylindermotor und der Karosserie einer offenen Reisekutsche.
Es folgte neben Kleinlastwagen und einem 8-PS-Omnibus 1904 der von Willy Seck konstruierte Kleinwagen „Liliput“ – eine Art „Volkswagen“, der schon als Vehikel für Jedermann gedacht, dafür aber doch zu teuer war.
1904 kaufte Georg Wiß die Automobil-Sparte auf und gründete die Süddeutsche Automobilfabrik (SAF), die er 1905 in Süddeutsche Automobilfabrik GmbH (SAG) umfirmierte. 1907 erwarb die Konkurrenz aus Mannheim, Benz und Cie. die SAG und benannte sie 1910 in „Benz-Werke Gaggenau GmbH“ um. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Standort Gaggenau zu einem der Zentren des Nutzfahrzeugbaus der Daimler-Benz AG, wie das Unternehmen nach der Fusion von Daimler und Benz 1926 hieß. Waren es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor allem LKWs, Busse und mit Kriegsbeginn Fahrzeuge für die militärische Nutzung, die in Gaggenau gebaut wurden, so kam 1951 der Unimog als Sondernutzungsfahrzeug in die Produktion.

Die Ausstellung erzählt nicht nur die Geschichte und Geschichten rund um die ersten Autopioniere und ihre tollkühnen Erfindungen, sondern zeigt auch einige der erhaltenen ersten Automobile: einen Bergmann-Systemwagen von 1902, einen Liliput und verschiedene Beispiele aus der Gaggenauer Nutzfahrzeugproduktion. Ausführlich porträtiert werden die Industriewerke Bergmann, mit etlichen Beispielen aus der vielfältigen Produktion. Außerdem begibt sich die Ausstellung auf die Spuren einiger „Autohelden“ der Frühzeit wie dem Rennfahrer Karl Kappler oder dem Offizier Paul Graetz, der mit einem Fahrzeug der Süddeutschen Automobilwerke eine Reise quer durch den südafrikanischen Kontinent unternahm.

Schließlich wird noch ein eher unbekanntes Kapitel nordbadischer Automobilgeschichte aufgeschlagen: die Geschichte der Veritas-Rennfahrzeuge, die in den1950er Jahren im nahen Muggensturm gebaut wurden.

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